[…] Zur Mahnung an alle, die Geschichte nicht verstehen, im Krieg zählt kein Recht und kein Gesetz – über Leichen sie gehen. Drum sorge dafür, dass die Hölle niemals wieder regiert, und dass den Toten in Dresden Erinnerung und Gedenken in Würde demonstriert. […]
Musik & Text ©: 𝔩𝔦𝔟𝔢𝔯𝔲𝔪 𝔞𝔯𝔟𝔦𝔱𝔯𝔦𝔲𝔪
Videoschnitt ©: Marcin Sebastian Lotecki
Block 1 – Flucht aus Ostpreußen
Wir sind vertrieben aus Ostpreußen: Mutter, Kind an Kind,
geflüchtet durch den Winter, weil daheim nur Feuer sind.
Die Tage waren Abende, die Nächte nasser Stoff,
ich klammre mich an Mamas Mantel fest – an ihren letzten Hoff’.
Sie sagt so oft „gleich wird’s besser“, doch „gleich“ macht niemals satt,
der Hunger sitzt im Bauch wie Stein, der keinen Namen hat.
Dann stehen wir in Menschenmassen, Nacht und Atemdunst,
Bündel, Decken, fremde Stimmen – jeder Blick nur Flucht und Angst.
Mama sagt: „Dresden“ wie ein Dach, als wär ein Wort ein Haus,
doch über uns hängt Aschehimmel, matt und grau voraus.
Kinder weinen, manche nicht – weil selbst das Weinen geht,
und Brot wird wie ein kleiner Stern, den man in Fäusten dreht.
Block 2 – Der Beginn der Bombennacht
Dann heult es – erst ganz fern, dann schneidend durch die Nacht,
die Luft wird selbst zur Sirene, gleich wird die Hölle entfacht.
Mamas Hand wird hart wie Stein, ihr Blick wird plötzlich klar:
„Nicht loslassen“, sagt sie leise, „lauf – wir bleiben nah.“
Wir stolpern durch die Nacht, die Treppen führen tief hinab,
als wär die Erde unser Dach, weil oben keiner Schutz mehr gab.
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Schatten geh’n.
Block 3 – Im Keller, im Feuersturm
Unten riecht es nach nasser Wolle, nach Angst und altem Stein,
ein Kerzenflackern zittert nur – und sagt: Du bist nicht allein.
Ein leises Beten wandert rund, verliert sich in dem Raum,
dann bebt die Erde unter uns, als wär sie nur ein Traum.
Erst pfeift es – dann zerreißt es uns, der Staub fällt von der Wand,
ich press mich an Mamas Herz und fest in ihre Hand.
Die Luft wird dick wie nasser Teer, jemand flüstert: „Feuer“ sacht,
Mama drückt mir ihren Schal vors Gesicht – ich atme Stoff und Nacht.
Ein Baby schreit wie Glas im Ohr, ein Mann will raus — „Nicht!“ schreit wer,
denn draußen brennt die Welt schon an, und drinnen hält uns Stein noch schwer.
Dann wird es kurz nur weniger laut, als holte die Stadt Atem ein,
doch jede Stille ist ein Messer: sie könnte gleich das Ende sein.
Die Tür springt auf – ein kalter Stoß – und dann ein rotes Licht,
die Nacht ist nicht mehr dunkel hier, sie glüht uns ins Gesicht.
Block 4 – Draußen im brennenden Dresden
Asche fällt wie warmer Schnee, sie tanzt, sie sticht, sie bleibt,
Namen fliegen durch die Straßen, jeder ruft, bis die Stimme reibt.
Der Wind ist heiß wie Herd und treibt uns, als wär er selbst auf Flucht,
wir rennen weiter ohne Richtung – nur vor Feuer, Staub und Wucht.
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Schatten geh’n.
Block 5 – Orientierungslos im Inferno
Mama zieht uns in einen Eingang, an die Wand, ins dunkle Grau,
„Nicht stehen bleiben“, sagt sie hart – doch wohin denn, sag mir: wo?
Überall nur Feuer, Explosionen, Bomben und Glut, die brennt,
Menschen, die zu Staub zerfallen und verschwunden sind.
Sirenen oder Herzgeschrei – ich kann’s nicht unterscheiden mehr,
nur dieses Heulen in den Knochen, und die Nacht unendlich schwer.
Ich halte meine Puppe fest, versteckt im Mantel, nah an mir,
als wäre sie ein kleines Licht in dieser roten Welt aus Gier.
Ich flüstere „Bleib“ in ihr Gesicht, als könnte Stoff mich schützen,
während Funken auf uns fallen, warm wie Schnee, der will verletzen.
Wir finden kurz mehr freien Raum, wo man noch atmen kann im Wind,
doch selbst die Luft ist voller Glut — und die Lunge brennt.
Block 6 – Die Begegnung mit dem Jungen
Ich stolper über irgendwas, das auf der Straße liegt im Rauch,
ich seh nicht hin – Mama reißt mich hoch – der Feuersturm faucht.
Im Rauch entfernt erblicke ich ein Bild, das ich nie vergessen werde,
ein kleiner Junge sitzt neben seiner toten Mama auf der Erde.
Wieder ein lautes Heulen – dann ein Schlag – als wär’s vorbei,
Mama drückt uns zu Boden und schützt uns wie ein Schild dabei.
Der Junge wird getroffen von der Feuersbrunst frontal,
löst sich auf und fliegt davon – als Ascheregen – völlig surreal.
Die Menschen im Feuersturm verschwinden – lösen sich auf,
als wären sie nie geboren – steigen sie in den Himmel hinauf.
Umgeben von hunderttausend Seelen im Höllenkampf,
kein Entkommen vor den Bomben und dem Feuersturm.
Block 7 – Refrain
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Staub vergehen.
Block 8 – Weiter durch die brennende Stadt
Die Straßen kennen keine Namen, nur Spuren in dem Grau,
und überall liegt dieses Weiß, wie in einem großen Krematorium.
Ein Funke setzt sich auf mein Kleid, ich klopf ihn weg, als wär’s ein Tier,
Mama zählt uns immer wieder: „Laufen müsst ihr, und bleibt bei mir.“
Und wenn ich frage, ob es endet, sagt sie leise: „Irgendwann“,
doch ihre Stimme klingt wie Holz, das man nicht löschen kann.
Meine Brüder atmen neben mir, klein, müde, rau vom Rauch,
und jeder Atem ist ein Ja, das man nicht sagen kann — nur braucht.
Block 9 – Ein Keller, ein letzter Schutz
Endlich ein Keller gefunden – man lässt uns hinein,
ein Raum voller Todesangst – kleine Kinder schreien.
Ich leg den Kopf an ihren Ärmel, hör ihr Herz, das Leben barg,
wieder nur Heulen und Pfeifen – dann folgt Schlag auf Schlag.
Ich denke an Ostpreußen – doch das Bild wird dünn und leer,
als hätte Wasser es verwischt, als gäb’s das nicht mehr.
Zuhause ist ein Wort im Schnee, ein Schatten hinter Glas,
und trotzdem hält mich Mamas Hand, das Letzte, das ich hab.
Wir haben nichts als Körperwärme, Staub im Haar und Dunkelheit,
so verrinnt diese Nacht – jede Sekunde, die Todesangst bleibt.
Block 10 – Refrain
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Staub vergehen.
Block 11 – Der Morgen danach
Wenn früh kein Pfeifen mehr die Luft zerreißt, steigt Mama langsam hoch,
wir tasten uns aus Stein und Dunkel, jeder Schritt noch voller Schock.
Draußen liegt Dresden grau und tot, als wär die Stadt entkleidet,
Asche-Schnee auf allem still, Dresden durch Bomben entweidet.
Wo Häuser waren, sind nur Rippen, schwarze Fenster ohne Blick –
und über allem hängt ein Schweigen, das uns trifft wie ein Stück.
Die Türme sind nur Schatten jetzt, die Welt wirkt leer und stumm –
und meine Hand in Mamas Hand sagt leise: „Wir leben… warum?“
Wir gehen weiter durch die Reste, durch das Knistern, durch den Dunst,
vorbei an Mauern ohne Fenster, ohne Türen, ohne Kunst.
Die Menschen wirken wie Gespenster, grau und still, mit leerem Blick,
und jeder trägt sein kleines Bündel – mehr bleibt nicht vom Glück zurück.
Ich halte mich an Mamas Mantel fest, wie an ein letztes Seil,
denn in Dresden hat die Nacht gezeigt: Überlebt, aber der Rest ist still.
Block 12 – Refrain
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Staub vergehen.
Block 13 – Epilog / Mahnung
Noch heute erwache ich jede Nacht im Schlaf,
denk an diese Nacht, die die Hölle offenbart.
Die Täter nie gerichtet, nie zur Verantwortung gebracht,
Hunderttausende sinnlos ermordet, weil Zivilisten zum Ziel gemacht.
Zur Mahnung an alle, die Geschichte nicht verstehen,
im Krieg zählt kein Recht und kein Gesetz – über Leichen sie gehen.
Drum sorge dafür, dass die Hölle niemals wieder regiert,
und dass den Toten in Dresden Erinnerung und Gedenken in Würde demonstriert.
Block 14 – Schlussrefrain
Roter Himmel über Dresden, schwere Bomber in der Luft,
dreitausend Tonnen Tod – auf Zivilisten ohne Schutz.
Asche wie Schneefall – sterben in der Feuerbrunst,
die Hölle entfacht – im unwiederbringlichen Elbflorenz.
Nicht loslassen, nicht verlieren, nicht im Strom verweh’n,
während Hunderttausende in einer Nacht zu Staub vergehen.