Wie es meist im Winter nach einigen Schneetagen und Frost so ist, kommt es zwangsläufig dazu, dass immer mehr Straßen beschädigt sind und man immer wieder größeren Schlaglöchern ausweichen muss.
Ich war an einem Nachmittag nach der Arbeit, wie jede Woche, auf dem Weg zu meiner Physiotherapeutin.
Unterwegs dorthin fahre ich in einem Ort durch eine Kurve, wo der Straßenbelag schon lange in ziemlich schlechtem Zustand ist, sodass man dann schon langsam macht, um Schäden zu vermeiden, und habe dann gerade noch so ein „neues“, recht großes Schlagloch gesehen, dem ich auch gerade noch ausweichen konnte.
Ich dachte noch „Zum Glück nicht reingefahren“, da hatte ich auch schon das nächste Schlagloch übersehen und mich darüber geärgert, nicht richtig hingeschaut zu haben. Das war das reinste Slalom von neuen Schlaglöchern, die alle etwas größer waren. Auf den restlichen 2 km bis zur Praxis habe ich mich dann noch darüber aufgeregt, das eine übersehen zu haben.
Im Laufe der Behandlung war das dann vollkommen vergessen, weil wir uns ja viel zu erzählen hatten.
Im Anschluss hatte ihre Mutter, die die Anmeldung macht, sich noch mit mir unterhalten. Während ich ihr zuhörte, fing plötzlich mein rechtes, oberes Augenlid an zu zucken. Nicht für lange und auch nur leicht. Das ging vielleicht 2 Minuten so.
Auf dem Nachhauseweg habe ich dann überlegt, was das denn für ein Konflikt gewesen sein könnte, dass das Lid gezuckt hatte.
Mir war klar, dass es eine Krise gewesen sein muss bezüglich des Augenmuskels. Ich wusste aber absolut nicht mehr, welchen Konfliktinhalt das hat.
Also fragte ich später am Abend in Marcins Austauschgruppe, welcher Konflikt denn zum Zucken des Augenlids gehört. Als Marcin dann erklärt hatte, dass es beim oberen Augenlid auch um den Gesichtsverlust geht, also einen SWE mit Totstellreflex, jedoch mit dem Schwerpunkt, nicht hinterher- oder wegschauen zu können, war mir der Konflikt klar.
Es war das übersehene Schlagloch, als ich nicht richtig hingesehen habe.
Es war lokal am rechten Auge empfunden, weil das Schlagloch eben auf der rechten Seite war, was ich übersehen habe. Vom DHS bis zur Krise vergingen ungefähr 45 Minuten. Also wurde der Konflikt nach ca. einer halben Stunde belanglos und ging in die Lösung.
Dies ist kein spektakulärer Erfahrungsbericht, aber er zeigt mal wieder, dass es nicht immer um irgendwelche hochakut-dramatischen Dinge gehen muss, sondern dass selbst Kleinigkeiten am Verstand vorbei eben durchaus ein SBS auslösen können.
Herzliche Grüße
M.
Beim Zucken des oberen Augenlids handelt es sich um ein gelöstes (oder hängend gelöstes) Sinnvolles Biologisches Sonderprogramm (SBS) des äußeren Augenmuskels Musculus levator palpebrae superioris (Augenlidheber, innerviert durch den III. Nervus oculomotorius). Das Zucken zeigt sich in der Krise am deutlichsten.
Dieses SBS steht sowohl in direktem Bezug zur spezifischen Funktion des Augenlidhebers als auch – wie alle SBSe der quergestreiften Muskulatur – zu einem konfliktbedingten Selbstwerteinbruch (= Unfähigkeit zu reagieren, HH im trophischen Marklager) sowie zu einem motorisch bedingten Totstellreflex (= nicht aus noch ein wissen, HH im motorischen Cortex).
Beide Aspekte berühren das Thema „Gesichtsverlust“ (einschließlich des Erlebens, zum Narren gehalten worden zu sein) und korrelieren primär mit der biologischen Händigkeit der betroffenen Person. Beim SBS des oberen Augenlids liegt der Schwerpunkt jedoch – seiner Funktion entsprechend – vor allem auf dem Nicht‑hinterher‑schauen‑ oder Weg‑schauen‑können bzw. ähnlichen „Blickmomenten“.
Solche Konflikte können jedoch unter Umständen auch „lokal“ bzw. entsprechend der im Moment des DHS entstandenen Assoziation empfunden werden. In diesem Fall betrifft das SBS die konfliktiv erlebte Körperseite unabhängig von der biologischen Händigkeit.
Beispiel:
Ein linkshändiger Mann bleibt nach einem Autounfall mit seinem rechten Bein eingeklemmt und erleidet dabei einen motorisch‑trophischen Konflikt seiner quergestreiften Beinmuskulatur. Dieser Konflikt steht somit primär nicht im Zusammenhang mit seiner Mutter (oder seinen Kindern), sondern wurde lokal empfunden.
Anmerkung: Bei der Berichtenden scheint es ähnlich abgelaufen zu sein …
Zum besseren Verständnis aus der Perspektive der anatomisch‑funktionellen Einordnung:
Diese folgenden äußeren Augenmuskeln (Muskuli externi bulbi) bewegen den Augapfel und werden – mit zwei Ausnahmen – fast vollständig vom III. Nervus oculomotorius innerviert.
Gerade Augenmuskeln (Mm. recti)
• M. rectus superior – hebt den Augapfel
• M. rectus inferior – senkt den Augapfel
• M. rectus medialis – adduziert den Augapfel (= bewegt ihn zur Nase hin)
• M. rectus lateralis – abduziert den Augapfel (= bewegt ihn zur Schläfe hin), Innervation: VI. N. abducens
Schräge Augenmuskeln (Mm. obliqui)
• M. obliquus superior – senkt und intoriert den Augapfel (= Innenrotation), Innervation: IV. N. trochlearis
• M. obliquus inferior – hebt und extoriert den Augapfel (= Außenrotation)
Der Musculus levator palpebrae superioris gehört funktionell auch zu den äußeren Augenmuskeln, hebt das obere Augenlid und wird ebenfalls vom III. N. oculomotorius innerviert. Daraus ergibt sich die funktionelle Korrelation zum Konfliktinhalt, der mit dem Nicht‑hinterher‑schauen‑ oder Weg‑schauen‑können bzw. einem vergleichbaren „Blickmoment“ verbunden ist.
[…] Ich dachte noch „Zum Glück nicht reingefahren“, da hatte ich auch schon das nächste Schlagloch übersehen und mich darüber geärgert, nicht richtig hingeschaut zu haben. Das war das reinste Slalom von neuen Schlaglöchern, die alle etwas größer waren. Auf den restlichen 2 km bis zur Praxis habe ich mich dann noch darüber aufgeregt, das eine übersehen zu haben. […]
Herzlichen Dank für die Zusendung dieses Erfahrungsberichtes und die freundliche Genehmigung, ihn veröffentlichen zu dürfen!