Im Jahr 1996, ich war 13 Jahre alt, musste ich mein elterliches Haus und damit meinen geliebten Bauernhof, auf dem ich aufgewachsen war, verlassen.
Mit meinem Stiefvater gab es eine Reihe von Vorfällen mit körperlicher Gewalt.
Meine Schwester, sie war eineinhalb Jahre älter als ich, konnte es nicht mehr ertragen und sagte bei der Polizei aus.
Ich wurde damals von der Polizei nicht einmal gefragt, geschweige denn wollte der Richter bei der Gerichtsverhandlung wissen, wie es mir ginge und ob ich überhaupt den Hof und meine Eltern verlassen wolle. Für mich brach eine Welt zusammen, da wir nun bei unseren Großeltern wohnen mussten.
Ohne meine Tiere und meinen Zufluchtsort verlor ich alles.
Ab diesem Zeitpunkt im Sommer 1996 fiel mir auf, dass ich keinen Kaugummi mehr kauen konnte. Der Kiefer tat mir plötzlich höllisch weh. Ich wurde ein aufsässiger Teenager, ein verärgerter Teenager. Sogar „bösartig“ wurde ich genannt. Ich hatte das Bedürfnis, jedem ins Gesicht zu sagen, was ich von ihm hielt. Natürlich kam das bei den Erwachsenen nicht gut an.
30 Jahre lang war dies meine Waffe. Ich musste mich verbal verteidigen.
30 Jahre lang kaute ich keinen Kaugummi. 30 Jahre lang hatte ich ständig Kieferschmerzen, mal leichtere, mal heftigere. Gähnen versetzte mich in Panik, denn diese Schmerzen waren höllisch.
2020 stieß ich auf die Germanische Heilkunde, und von dort an interessierte ich mich nur noch für die Ursachen meiner ständigen Symptome. Im Sommer 2025 dann kam der Durchbruch. Ich hatte eine verbale Auseinandersetzung mit meinem erwachsenen Sohn.
Es war eigentlich immer dasselbe: Er verteidigte sich. Ich verteidigte mich. Er verteidigte sich, ich verteidigte mich – und es endete immer im Streit.
An diesem Tag reagierte ich anders. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich wollte mich nicht mehr verteidigen. Ich nahm einfach hin, was er sagte, es war mir egal, ich drehte mich um und ging meiner Wege. Nach einer Weile kam mein Sohn auf mich zu und wollte die Sache ausdiskutieren.
Ich aber hatte nichts zu sagen. Ich wollte dieses Spielchen einfach nicht mehr spielen. Es war mir wirklich gleichgültig.
Ich wachte am nächsten Tag sehr früh auf, da ich in die Berge wollte. Ich ging ins Bad und musste gähnen.
Plötzliche Kiefersperre! In meinem Leben hatte ich noch nie solche Schmerzen erfahren.
Mit einer Hand hielt ich meinen rechten Kiefer. Ich spürte einen kleinen, kugelförmigen Knochen – dieser war nicht an seinem Platz.
Ich atmete ein paar Mal tief durch, nahm meinen ganzen Mut und mein Vertrauen in die Germanische Heilkunde zusammen und drückte mit meinen Daumen so lange an meiner Wange, bis ich ein Klicken spürte. Okay, der Knochen (knochenartiges Gewebe?) war wieder an seinem Platz.
Diese Schmerzen waren kaum zu ertragen, und ich konnte meinen Mund nicht mehr öffnen, geschweige denn essen. Sprechen ging nur im Notfall. Aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, einen Arzt sehen zu müssen. Ich ging an diesem Morgen in die Berge. Danach hielt ich mir fünf Tage lang meine Wange und sprach mit Zuversicht, Liebe und heilenden Worten auf mich ein.
Um zu verstehen, was passiert war, kontaktierte ich Marcin. Durch sein unglaubliches menschliches Einfühlungsvermögen konnten wir zusammen herausfinden, was geschehen war.
Einen Monat später absolvierte ich einen Bluttest, und darin wurde auch bestätigt, dass meine Leukozytenwerte typisch hoch waren für ein Knochen‑SBS in der Heilungsphase.
Meine Heilungsphase dauerte bestimmt sechs Monate. Jetzt, im Januar 2026, kann ich getrost wieder alles essen. Ich habe keine Schmerzen mehr, kann ohne Panik gähnen und meinen Kiefer vollständig wieder öffnen.
Herzlichen Dank
Clarissa
Der Unterkiefer ist über einen Gelenkfortsatz (Knochengewebe), der an die Gelenkfläche des Unterkieferkopfs (Knorpelgewebe) perfekt angelegt ist, mit dem Schädel verbunden. Umgeben wird diese Verbindung von einer Gelenkkapsel, einer doppellagigen Bindegewebsschicht. Eingebettete elastische Fasern sowie mehrere Bänder (v. a. das Ligamentum laterale) tragen zur Verstärkung der Gelenkkapsel bei.
Das Kiefergelenk selbst wird hauptsächlich durch vier paarig angelegte Muskeln (quergestreift) bewegt: M. masseter, M. temporalis, M. pterygoideus medialis und M. pterygoideus lateralis. Die ersten drei Muskeln agieren dabei als Kieferschließer.
So wie jedes andere Gelenk auch, kann dieses „ausrenken“. Die knöcherne Verbindung zwischen Unterkiefer und Schädel fehlt dann völlig. Das Gelenk wird nur noch über die Muskeln und Bänder stabilisiert. Man spricht in solchen Fällen von einer Kiefersperre bzw. Kieferklemme.
Anmerkung:
Eine Kiefersperre (Kieferluxation) muss nicht immer im Zusammenhang mit einem SBS entstehen. Sie kann u. U. auch zufällig durch ein sehr starkes Gähnen, eine extreme Mundöffnung oder infolge eines Unfalls auftreten.
Bei einer konfliktbedingten Kiefersperre handelt es sich ebenso um eine schmerzhafte Ausrenkung des Kiefergelenkes, die jedoch nicht „zufällig“, sondern im Zusammenhang mit einem „trophischen“ Beißkonflikt für den knöchernen Gelenkfortsatz des Unterkiefers (Processus condylaris = Knochengewebe) und/oder für die Gelenkfläche des Unterkieferkopfs (Knorpelgewebe) entsteht. In der aktiven Phase dieser SBSe entsteht im Knochen- und/oder Knorpelgewebe Zellminus, was zur Ausrenkung des Unterkiefers z. B. bei starkem Gähnen, Kaugummikauen etc. führen kann und in vielen Fällen auch führt:
[…] Ab diesem Zeitpunkt im Sommer 1996 fiel mir auf, dass ich keinen Kaugummi mehr kauen konnte. Der Kiefer tat mir plötzlich höllisch weh. […]
Die Berichtende scheint sich in den letzten 30 Jahren ihres Lebens überwiegend in einer heruntertransformierten Konfliktaktivität ihres „trophischen“ Beißkonflikts befunden zu haben, der mit einem Selbstwerteinbruch – dem Gefühl, sich nicht verbal wehren zu können (also den Gegner nicht „beißen“, „zermahlen“, „zerfetzen“ etc.) – einherging.
[…] 30 Jahre lang kaute ich keinen Kaugummi. 30 Jahre lang hatte ich ständig Kieferschmerzen, mal leichtere, mal heftigere. Gähnen versetzte mich in Panik, denn diese Schmerzen waren höllisch. […]
Zum besseren Verständnis:
Die aktive Phase des Knochen- oder Knorpel-SBS tut nicht weh. Was bei der Unterkieferausrenkung wehtut, sind die verletzten Weichteile der Gelenkstruktur, z. B. die Gelenkkapsel oder das seitliche Schläfenbein‑Unterkiefer‑Band. Sie sind mit den Kaumuskeln direkt verbunden. Das ist m. E. der Grund, weshalb man bei einer Unterkieferausrenkung das Gefühl hat, die Schmerzen würden von der Kiefermuskulatur ausgehen.
Schmerzen des Unterkiefergelenkes können aber auch im Zusammenhang mit der sog. Arthrose entstehen. Sie entsteht allerdings nicht aufgrund einer „Abnutzung“ oder eines „Gelenkverschleißes“, so wie die SM es erklärt, sondern im Verlauf der aktiven Phase eines Knorpel-SBS. Kommt es in diesem Fall zur Schmerzempfindung im Kiefergelenk, dann liegt bereits ein hoher Verlust der Gelenkmasse vor (= langandauernde ca‑Phase), der allein mit der Nekrosenbildung im Gelenkknorpel (oder in der Gelenkkapsel) zu tun hat.
Jedes Gelenk ist eine bewegliche Verbindung zweier (oder mehrerer) Knochen. Zum Gelenkspalt hin sind die Knochen mit einer dünnen Schicht aus Knorpel überzogen. Diese bildet beim gesunden Gelenk einen elastischen Puffer mit einer gut geschmierten, spiegelglatten Oberfläche. Der Abbau des Knorpels in der ca‑Phase geht bis zu seiner kompletten Auflösung – es reibt dann Knochen auf Knochen, was starke Schmerzen verursacht.
Zurück zum Sommer 2025 …
[…] Ich hatte eine verbale Auseinandersetzung mit meinem erwachsenen Sohn. Es war eigentlich immer dasselbe: Er verteidigte sich. Ich verteidigte mich. Er verteidigte sich, ich verteidigte mich – und es endete immer im Streit.
An diesem Tag reagierte ich anders. Ich kann nicht sagen, warum, aber ich wollte mich nicht mehr verteidigen. Ich nahm einfach hin, was er sagte, es war mir egal, ich drehte mich um und ging meiner Wege. Nach einer Weile kam mein Sohn auf mich zu und wollte die Sache ausdiskutieren.
Ich hatte jedoch nichts zu sagen. Ich wollte dieses Spielchen einfach nicht mehr spielen. Es war mir wirklich gleichgültig.
Ich wachte am nächsten Tag sehr früh auf, da ich in die Berge wollte. Ich ging ins Bad und musste gähnen. Plötzliche Kiefersperre! In meinem Leben hatte ich noch nie solche Schmerzen erfahren. […]
Die endgültige Lösung dieses Beißkonfliktes scheint jedoch nicht am Tag der Auseinandersetzung mit dem Sohn der Berichtenden eingetreten zu sein, sondern erst nach dem Gespräch mit mir, das erst nach dem Eintritt der schmerzhaften Kiefersperre stattfand.
[…] Diese Schmerzen waren kaum zu ertragen, und ich konnte meinen Mund nicht mehr öffnen, geschweige denn essen. Sprechen ging nur im Notfall. Aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, einen Arzt sehen zu müssen.
Ich ging an diesem Morgen in die Berge. Danach hielt ich mir fünf Tage lang meine Wange und sprach mit Zuversicht, Liebe und heilenden Worten auf mich ein. Um zu verstehen, was passiert war, kontaktierte ich Marcin.
Einen Monat später absolvierte ich einen Bluttest und darin wurde auch bestätigt, dass meine Leukozytenwerte typisch hoch waren für ein Knochen‑SBS in der Heilungsphase.
Meine Heilungsphase dauerte bestimmt sechs Monate. Jetzt, im Januar 2026, kann ich getrost wieder alles essen. Ich habe keine Schmerzen mehr, kann ohne Panik gähnen und meinen Kiefer vollständig wieder öffnen. […]
Wie löst man biologische Konflikte?
Z. B. durch die Änderung der eigenen Einstellung zum Konfliktinhalt: Wir können andere Menschen nicht ändern. Wir können nur uns selbst ändern.
Und genau das ist hier passiert!
Interessant: Die Berichtende muss ihren (erwachsenen) Sohn während der verbalen Auseinandersetzung als einen starken Partner (siehe Zitat unten), den sie nicht „wegbeißen“ kann, empfunden haben. Dadurch schlug über ihre „Partnerleitung“ ein Rezidiv ein (= rechter Unterkiefer).
[…] Ich hatte das Bedürfnis, jedem ins Gesicht zu sagen, was ich von ihm hielt. Natürlich kam das bei den Erwachsenen nicht gut an. […]
Herzlichen Dank für die Zusendung dieses Erfahrungsberichtes und die freundliche Genehmigung, ihn veröffentlichen zu dürfen!